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Die wahre Geschichte eines Mannes

Tobias Henoeckl - Wed Nov 13 17:24:40 2002

Die wahre Geschichte eines Mannes:


Wenn ich von der Erotik einmal absehe, haben mir Frauen im Bett nichts
als Ärger eingebracht.

Mit Wehmut denke ich manchmal an die Teenagerzeiten zurück, in denen ich
entweder allein und entspannt die Nachtruhe genoß oder nur vorübergehend
mit einer Frau das Bett aufsuchte. Die Probleme fingen erst so mit
Anfang Zwanzig an, als man das Nachtlager 'wie Mann und Frau' teilte,
sprich: vom Einschlafen bis zum Aufstehen.

Hieraus muß ich eine ganz bittere Bilanz ziehen. Nächte des Grauens ist
noch untertrieben. Am Tage durchaus abgeklärte, zupackende und moderne
Frauen, mutieren angesichts von Federkern und Daune, ausnahmslos zu
verwöhnten, lebensuntüchtigen, egoistischen Zicken, wie ich jetzt an
einigen Beispielen schlüssig beweisen werde.

Beginnen wir mit dem unerfreulichen Thema 'Mücken'. Vorweg muß ich
sagen, daß ich im Sommer grundsätzlich ganz gern neben einer Frau liege,
weil ich dann von Stechmücken verschont bleibe. Die stürzen sich immer
auf meine Partnerin. Das ist bitter, tut mir persönlich auch wirklich
leid, ist aber noch lange kein Grund, mich grob wachzujammern:

'Ich bin völlig zerstochen'. Mit einer Stimme, die im Grenzbereich
zwischen Hysterie und Nervenzusammenbruch moduliert. Der Auftrag an
mich, dem männlichen 'Sicherheitsbeamten', ist klar: 'Steh auf und
geh Mücken jagen.' Ich weiß nicht, warum Frauen selbst keine Mücken
jagen. Warum sie im Bett liegend, den Späher machen, auf schwarze Punkte
an der Decke deuten und 'Da!' rufen. Ich weiß vor allem nicht, warum ich
immer wieder gähnend, mit zerzaustem Haar und einer zusammengerollten
Zeitung auf der Matratze stehe und auf Zuruf Tiere totschlage.

Schlafen... am liebsten in der Löffelchen-Stellung. Ich liebe diese
Schlafposition, weil sie mich in dem Grundvertrauen in die Richtigkeit
meines Daseins bestärkt. Nun gibt es aber zahlreiche Frauen, die sich
anfangs sehr anschmiegsam geben und leidenschaftlich 'löffeln', sich
aber, wenn es um die endgültige Schlafposition geht, als sehr hartleibig
erweisen. Sie stoßen sich mit der einen Hand von mir los, ergreifen
mit der anderen Hand die eigene Bettdecke und verteidigen dieses
Refugium mit erbitterter Gegenwehr. Und ich muß geduldig warten, bis
die 'Meine-Decke-gehört-mir'-Autistin endlich in den Schlaf gesunken
ist, und ich beginnen kann, vorsichtig robbend, verlorenes Terrain
zurückzugewinnen. Wenn ich dann, nunmehr halbherzig löffelnd, in tiefen
Schlaf gesunken bin, kommt häufig schnell die nächste Gemeinheit. Ein
brutaler Stoß, meist mit dem Ellbogen ausgeführt, trifft mich in
die Seite. Ich schrecke hoch und höre eine schneidende Stimme: 'Du
schnarchst!'. So was würde ich nie tun. Ich finde es bezaubernd, wenn
sie im Schlaf redet oder ein bißchen vor sich hinblubbert. Nie würde
ich sie mit dem Ellbogen stoßen. Aber Frauen ist es ja egal, ob man
frühmorgens einen wichtigen Termin hat. Nach der Tat sinken sie umgehend
wieder in den Tiefschlaf, und ich Liege mit tellergrossen Augen in der
Dunkelheit und finde keine Ruhe.

Grauenhaft ist auch eine andere Variante der körperlichen Attacke. Da
liegt man wohlig unter seiner Decke und ist am Wegnicken und dann
kommen sie: kalt, eiskalt. Gefrorene Frauenfüße schieben sich langsam
und unaufhaltsam zwischen die männlichen Schenkel. Dort sollen sie
gewärmt werden. Der Mann zuckt zurück, windet sich, versucht die Flucht,
aber die weichen Gletscher unter der Decke sind stärker. Alle Frauen
haben kalte Füße! Alle! Und sie kennen kein Erbarmen. Stumm, aber
fordernd kommen sie in der Nacht gekrochen und saugen Körperwärme im
Gigawatt-Bereich ab. Schrecklich!

Manchmal geben sie aber auch dann keine Ruhe, wenn man ihre
Permafrost-Füße enteist, das Schnarchen eingestellt und dem Löffeln
entsagt hat. Denn dann haben sie was gehört. 'Da ist doch jemand',
raunen sie, 'Da hat doch was geknackt' oder 'Hörst du diese komischen
Geräusche?'. Die Botschaft ist erneut glasklar: Mann, pack dir einen
hölzernen Kleiderbügel oder sonst eine behelfsmäßige Waffe, wag dich in
die dunkle Wohnung und vertreib den Einbrecher, so du einen findest.
Klar, daß jeder Mann dem tiefverwurzelten Instinkt zum Schutze
der Sippe folgt und in Socken und Unterhosen wie ein Depp im Dunklen
umherstolpert. Um dann frierend und unverrichteterdinge wieder zur
(natürlich tiefschlafenden) Partnerin zurückzukehren.

Wer meint, mit dem Morgengrauen sei der Ärger ausgestanden, irrt! Wie
in einem Horrorfilm, der scheinbar seinen gruseligen Höhepunkt
erreicht hat und dann noch mal entsetzlich zuschlägt: Die Rede ist von
unterschiedlichen Schlaf- und Wachrhythmen. Ich arbeite eben bis in die
frühen Morgenstunden und stehe folgerichtig nicht gerade mit den Hühnern
auf.
Kein Problem für den Alleinschläfer. Was aber soll ich mit einer Frau
machen, die morgens um sieben kerzengerade nachfedernd im Bett sitzt,
Langeweile hat, sich laut und vernehmlich reckt, gähnt, räuspert,
aufdringlichen Körperkontakt sucht und am Ende gar flüssige Konversation
fordert? Nachdem ich blutsaugende Insekten zur Strecke brachte, zum Dank
dafür Ellbogen-Checks kassierte und unter die eigene kalte Bettdecke
verbannt wurde, nach alledem reichte es mir irgendwann. Und zwar
richtig. Eines frühen Morgens wurde ich durch die Frage: 'Kannst du
auch nicht mehr schlafen?' geweckt und herrschte die Frau neben mir
rüde an: 'Halt die Klappe und mach Frühstück!' Kurz danach fiel die
Wohnungstür krachend ins Schloß, und ich mußte mir das Frühstück selbst
machen.

Gibt es keine Hoffnung? Doch, die gibt es!!! Ich habe - nun ja -
jemanden kennengelernt. Und die ist anders! Sie ist anschmiegsam
und kuschelt exzessiv. Ich darf in ihrer Gegenwart ausgiebig
schnarchen. Wenn sie Geräusche hört, schaut sie selber nach dem
Rechten. Mücken bringt sie mit geschickten Schlägen eigenhändig zur
Strecke, und sie hat niemals kalte Füße. Gut, sie ist vielleicht ein
bißchen verspielt. Aber welche Katze ist das nicht?


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