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Manager...

Hans Maurer - Sun Jul 08 16:38:12 2001

Vom Teen-ager zum Man-ager
(von Professor Dr. Hans Eberhard Scheffler)

Die Entwicklung vom Teen-ager zum Man-ager ist der emanzipatorische
Versuch des Mannes:
"Manager kann jeder werden; entweder durch eigenes Können - oder durch die
Dummheit der anderen"

Die kurze Karriere vom Studium zum Frührentner wird bekannlich durch das
Peter-Prinzip geprägt, das heisst: In der Hierarchie einer Unternehmung
neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zur Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.
Mit anderen Worten: vom Man-ager zum Vers-ager. Man nennt dies Management
Development. Nachwuchskräfte, die wir so entsorgen wollen, bezeichnen wir
als vielversprechend.

Das Wort Manager wird nicht nur für Herren angewendet. Es führt aber zu
Missverständnissen, wenn man weibliche Führungskräfte als "Miss-manager"
bezeichnet. Der Begriff "Missmanagement" ist nicht dem weiblichen
Geschlecht vorbehalten. Vielmehr gilt: Irren ist männlich.
Die Entwicklung vom Manager zum Top-manager deutet sich dadurch an, dass
er zunehmend in Ich-Form spricht und zu grundsätzlichen Monologen neigt.
Hinzu kommt, dass seine menschlichen Grundbedürfnisse vom
Geltungsbedürfnis dominiert werden.

Damit kommen wir zur Unterteilung der Unternehmensangehörigen in
Fachleute, Manager und Top-Manager:

- Der Fachmann denkt nicht, er weiss
- Der Manager denkt, aber weiss nichts
- Der Top-Manager erspart sich das Denken und weiss nichts, er hat
  unternehmerisches Gespür Top-Manager sind einsam, einsame Spitze

Wenn die Zahl der Vorstandsmitglieder die Zahl der Kunden zu übersteigen
droht, überwindet der Top-Manager seine Einsamkeit, indem er kongeniale
Unternehmensberater einschaltet, deren Erfolgskonzept allgemein lautet:
Knallhart in der Darstellung und banal in der Sache, wahnsinnig im Preis
Von ihnen wird verlangt: Distanz zur Realität, systematische Erfassung der
Irrelevalz, geistige Durchdringung des Nichts, Interpretation des Banalen
und Analyse des Unvorhersehbaren.
Der Unternehmensberater ist also ein Mann, der 49 Liebspositionen kennt,
aber kein einziges Mädchen. Die Managertätigkeit selbst wird von Myrphy's
Gesetz beherrscht: Wenn etwas schiefgehen kann, geht es auch schief. In
der Management-Hierarchie heisst das: Je höher man die Leiter erklimmt,
desto mehr Fehler kann man sich erlauben. Wenn man schliesslich nur noch
Fehler macht, nennt man das Führungsstil. Mit anderen Worten: Wo ein
Top-Manager auftaucht, klappt nichts - aber er taucht nicht überall auf.
Art und Umfang der Entscheidungen werden wesentlich vom Temperament der
Top-Manager bestimmt: Man unterscheidet folgende Manager-Typen:

Zunächst einmal der Hyper-Dynamiker:
Er frönt der "Decision by Overdrive" und zeichnet sich durch provozierende
Zielsetzungen für seine Untergebenen aus. Zugleich geniesst er die bei
seinen Kollegen ausgelösten Überraschungseffekte ("Managemant by
fascination") Sachdienliche Hinweise auf Risiken vermögen ihn zur Raserei
zu bringen. Das Unternehmen verkraftet seine Anstösse nur, wenn ein nicht
unwesentlicher Teil seiner Arbeitszeit durch ausgedehnte Dienstreisen und
häufige Bewirtungen neutralisiert wird.

Das temperamentsmässige Gegenstück ist der bürokratische Phlegmatiker:
Dieser Manager-Typ, der in fanatischer Weise dem Vorsichtsprinzip huldigt,
führt nach der Bonsai-Methode: Jede aufkeimende Initiative wird sofort
beschnitten. Wenn es einen Weg gibt, wichtige Entscheidungen zu verzögern,
er wird ihn mit Sichheit finden

Das Gegenstück ist der optimistische Managertyp, der auch dann, wenn er
die Übersicht verloren hat, den Mut zur Entscheidung besitzt. Er nimmt die
Dinge nicht so tragisch, wie sie sind. Schliesslich gilt: Eine
Fehlentscheidung auf Anhieb spart immerhin Zeit.

Der hochintelletuelle Manager weiss zu jedem Problem eine schlaue Frage
und schlägt scharfsinnige Lösungen vor, die nicht zum Problem passen. Bei
Entscheidungen und insbesondere bei deren Umsetzung hält er sich
wohlweisslich zurück, um ungehindert neue kritische Fragen stellen zu
können.

Sein Pendant ist der Praktiker, der stets grosse Stücke auf sich selbst
hält und für den Konzeption und Konfusion identische Begriffe sind. Er
weiss dass die Alternative zur Sackgasse der Holzweg ist und folgt ihm
entschlossen.

Neben dem gemeinen Manager gibt es noch den Konzernmanager. Mit latentem
Informationsdefizit ist er der einzige Manager mit Überblick. Wenn er eine
Stimme aus dem Konzernchaos hört: "Sei gelassen und froh- es könnte
schlimmer kommen", dann ist er gelassen und froh - und es kommt schlimmer
!

Das Allerletzte ist der Euro-Manager:
Er stammt aus einem Elternhaus mit gemischten Nationalitäten, hat an einer
Business-School studiert; ist mit einer Exotin verheiratet, trägt
Flanellhosen von Saint Laurent und hält sich vorwiegend in Airports auf.
Er ist ein gesellschaftliches Ass mit erotischer Ausstrahlung.

Unentbehrlich ist der Top-Manager als Aufsichtsrat, weil er "auf Sicht
rät", wie sich das Geschäft entwickelt. Ein unwiderstehliches Spielzeug
für den Top-Manager ist die Planung, die in ihrem Kern auf das Ersetzen
des Zufalls durch Irrtum zurückgeführt werden kann. Heute kann man mit
Hilfe der Computer schneller und genauer irren. Die zweite Leidenschaft
des Topmanagers ist die Rechnungslegung seiner Spitzenleistungen. Sie darf
nicht einseitig gebildeten Finanzexperten überlassen werden, sondern
erfordert eine professionale Behandlung durch das Top-Management.
Professionelles Bilanzmanagement vollzieht sich in folgenden Phasen:

- Präjudiz des Jahresergebnisses durch den Vorstandsvorsitzenden
- Aufstellung des Abschlusses durch das Rechnungswesen
- Verwirrung des Vorstandes
- Suche nach bilanzpolitischen Korrekturmöglichkeiten
- Frustration des Rechnungswesens
- Begeisterung des Vorstandsvorsitzenden
- Resignation des Abschlussprüfers
- Auszeichnung des Vorstandes durch den Aufsichtsrat
- Beruhigung der Kreditgeber

Obwohl Erfolg so ziemlich das Letzte ist, was einem Manager von Kollegen
verziehen wird, spricht er ständig davon. Lassen sie ihm dies selbst
erarbeitete Vorurteil !


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