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Unterschied zwischen Maennern und Frauen

Wolfgang Schemmel - Tue Jun 05 23:24:37 2001

Einem Mann namens Gerhard gefaellt eine Frau
namens Susanne. Er fragt sie, ob sie ins Kino
gehen will, sie sagt ja, und beide verbringen
einen sehr lustigen Abend. 

Ein paar Tage spaeter laedt er sie zum Abendessen
ein, und sie haben wieder viel Spass. Fortan
treffen sie sich regelmaessig, und nach einiger
Zeit trifft sich keiner von beiden mit
irgendjemand anders mehr. 

Eines Abends, als sie nach Hause fahren, schiesst
ein Gedanke durch Susannes Kopf, und, ohne richtig
drueber nachzudenken, spricht sie ihn aus: "Ist
Dir klar, dass wir uns mit dem heutigen Abend seit
genau 6 Monaten treffen?" 

Stille. 

Susanne kommt die Stille sehr laut vor. Sie denkt:
"Oje, ob es ihn nervt, dass ich das gesagt habe?
Vielleicht fuehlt er sich durch unsere Beziehung
eingeschraenkt, oder er fuehlt sich von mir in
eine Pflichtrolle gedraengt" 

Und Gerhard denkt sich "Wow, 6 Monate." 

Und Susanne denkt sich: "Moment, ich bin gar nicht
sicher, ob ich so eine Art Beziehung will.
Manchmal haette ich lieber mehr Freiraum, ich
werde Zeit brauchen, mir zu ueberlegen, ob ich so
weiter machen will. Ich meine, wo fuehrt uns das
hin? Wird es immer so weiter gehen, oder schreiten
wir auf eine Ehe zu? Vielleicht sogar auf Kinder?
Darauf, unser restliches Leben miteinander zu
verbringen? Bin ich bereit, diese Verpflichtung
einzugehen? Kenne ich diesen Menschen ueberhaupt? 

Und Gerhard denkt sich: "Hm, das heisst, es war
... mal sehen ... Februar, als wir anfingen, uns
zu treffen, das war gleich nachdem ich das Auto
beim Service hatte, das heisst ... wie ist der
Kilometerstand? Au weia! Die Karre ist
ueberfaellig fuer einen Oelwechsel!" 

Und Susanne denkt sich: "Er ist besorgt. Ich sehe
es in seinem Gesicht. Vielleicht war mir nicht
ganz klar, wie er die Sache sieht. Vielleicht will
er mehr von unserer Beziehung, mehr Intimitaet,
eine tiefere Bindung, vielleicht hat er, sogar
schon vor mir, gespuert, dass ich mich zu sehr
zurueckhalte. Ja, das ist es. Deswegen spricht er
so selten ueber seine Gefuehle. Er hat Angst,
zurueckgewiesen zu werden.". 

Und Gerhard denkt sich: "Die sollen sich auf jeden
Fall noch einmal das Getriebe ansehen. Ist mir
voellig egal, was diese Deppen sagen, die
Schaltung funktioniert noch immer nicht richtig.
Und diesmal koennen sie es auch nicht aufs kalte
Wetter schieben. Wir haben 30 Grad, und das Ding
hier schaltet sich wie ein Lastwagen von der
Muellabfuhr. Und ich habe diesen inkompetenten
Gaunern 1200 Mark bezahlt. 

Und Susanne denkt sich: "Er ist sauer. Ich kanns
ihm nicht uebel nehmen, ich waers auch. Ich fuehle
mich so schuldig, ihm das anzutun, aber ich kann
nichts fuer meine Gefuehle, ich bin einfach
unsicher. 

Und Gerhard denkt sich: "Wahrscheinlich werden sie
sagen, es gibt nur 90 Tage Garantie, diese
Saecke!" 

Und Susanne denkt sich: "Wahrscheinlich bin ich
viel zu idealistisch, und warte auf einen Ritter
auf einem weissen Pferd, waehrend ich hier neben
einem superlieben Menschen sitze, einem Menschen,
mit dem ich gern zusammen bin, um den ich mich
wirklich sorge und der sich wirklich um mich
sorgt. Einem Menschen, der wegen meiner
selbstherrlichen Schulmaedchenfantasien leiden
muss. 

Und Gerhard denkt sich: "Garantie? Die reden von
Garantie? Koennen sie haben, ich nehme ihre
Garantie und stecke sie ihnen in ..." 

"Gerhard", sagt Susanne laut. 

"Was?" sagt Gerhard erschrocken. 

"Bitte quael dich nicht so", sagt sie, waehrend
sich ihre Augen mit Traenen fuellen. "Vielleicht
haette ich niemals .. Oh Gott, ich fuehle mich so
..." (Sie verstummt, schluchzt). 

"Was?" sagt Gerhard. 

"Ich bin so dumm", schluchzt Susanne, "Ich meine,
ich weiss, dass es nie einen Ritter geben wird. Es
ist so dumm. Weder einen Ritter noch ein Pferd." 

"Es gibt kein Pferd?", fragt Gerhard. 

"Du denkst auch, dass ich dumm bin, oder?", sagt
Susanne. 

"Nein!", sagt Gerhard, froh, endlich eine richtige
Antwort zu haben. 

"Die Sache ist die ... es ist einfach so ... ich
brauche ein wenig Zeit", sagt Susanne. 

(Es entsteht eine 15sekuendige Pause, in der
Gerhard versucht, so schnell er kann mit einer
sicheren Antwort aufzuwarten. Endlich faellt ihm
etwas ein, das funktionieren sollte.) 

"Ja", sagt er. 

(Susanne, tief bewegt, beruehrt seine Hand) "Oh
Gerhard, denkst du wirklich so darueber?" fragt
sie. 

"Worueber?" fragt Gerhard. 

"Ueber ein wenig mehr Zeit" sagt Susanne. 

"Oh", sagt Gerhard, "Ja.". 

(Susanne dreht sich zu ihm und sieht ihm tief in
die Augen, wodurch er schrecklich nervoes darueber
wird, was sie als naechstes sagen wird, besonders,
wenn darin ein Pferd vorkommen sollte. Endlich
spricht sie.) 

"Danke, Gerhard", sagt sie. 

"Ich danke Dir.", sagt Gerhard 

Dann bringt er sie nach Hause, wo sie sich auf ihr
Bett legt, eine von Konflikten geschuettelte,
gequaelte Seele, und bis in den Morgen weint. 

Gerhard faehrt nach Hause, holt sich eine Tuete
Chips, dreht den Fernseher auf, und wird schnell
von der Wiederholung eines Tennismatchs zwischen
zwei Neuseelaendern, von denen er noch nie was
gehoert hat, in den Bann gezogen. Eine leise
Stimme irgendwo in seinem Kopf sagt ihm, dass
heute in dem Auto hoechstwahrscheinlich etwas
wirklich wichtiges passiert ist, aber er ist
sicher, dass er niemals verstehen wuerde, was das
war, also beschliesst er, nicht weiter darueber
nachzudenken. 

Am naechsten Tag wird Susanne ihre beste Freundin
anrufen, vielleicht sogar noch eine, und mit ihr 6
Stunden lang ueber die ganze Sache reden. In
sorgfaeltiger Detailarbeit werden sie alles was
sie sagte, und auch alles was er sagte,
analysieren, jedes Wort, jeden Ausdruck, jede
Geste, um Nuancen in der Bedeutung des gesagten zu
finden, und um jede moegliche Variante
durchzugehen. 

Das ganze wird sich wochenlang, wenn nicht
monatelang hinziehen, ohne jemals in einer
plausiblen Schlussfolgerung zu enden, aber auch,
ohne jemals langweilig zu werden. 

Irgendwann waehrend dieser Zeit wird Gerhard,
waehrend eines Squashmatches mit einem Freund, der
sie beide kennt, kurz innehalten und fragen
"Peter, hat Susanne mal ein Pferd gehabt?". 

Und das ist der Unterschied zwischen Maennern und
Frauen. 



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