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Unfällegibs im Sexglub

Markus Wennrich - Sun Aug 01 20:10:24 1999


       Unfällegibs im Sexglub

       Wer suchet, der findet - falls er die Orthografie
       beherrscht  Von Sabine Etzold



       Internet-Nutzer sind überdurchschnittlich gebildet? Wer das
       glaubt, sollte sich ansehen, mit welchen Suchbegriffen die
       Deutschen das World Wide Web durchforsten. Um sich im
       Datenwust zurechtzufinden, stehen im Internet
       Suchprogramme bereit, die ständig das Netz durchkämmen
       und dem Nutzer alle Seiten ausspucken, die ein
       gewünschtes Stichwort enthalten. Klaus Schallhorn, ein in
       London lebender EDV-Spezialist, hat die Anfragen studiert,
       die bei der Suchmaschine Intersearch (www.intersearch.de)
       eingingen. "Ich wäre vor Lachen fast vom Stuhl gefallen",
       berichtet Schallhorn. 

       Etliche Internet-Besucher nehmen demnach anscheinend
       an, auf der anderen Seite des Bildschirms säßen
       hochbezahlte Schnelltipper, die jede noch so ausgefallene
       Anfrage umfassend beantworten. Manche gaben ganze
       Sätze ein, zum Beispiel: "Ich suche ein Haus direkt am
       Meer für 8 Personen." Andere behandelten die Technik wie
       einen Ausländer, der der deutschen Sprache nicht ganz
       mächtig ist: "Personen mit der Name Eberhardt".
       Erschreckend viele scheiterten schlicht an der Orthografie.
       Ein Viertel der Surfer, die nach Suchmaschinen fahndeten,
       schrieben Maschine mit ie. Ein Drittel der potenziellen
       Kunden von Frau Uhse waren vergebens auf der Pirsch nach
       "Beate Use". Sex war - wie zu erwarten - ein häufiges
       Thema. Doch wer Ausschau hielt nach "Sexglubs",
       "Swingerklup" oder "Stryptease", war hinterher von
       Intersearch wohl bitter enttäuscht.

       Zu dramatischen Versuchen der Kommunikation zwischen
       Mensch und Maschine kam es im medizinischen Sektor.
       Hämorrhoiden tun nicht nur weh, sie sind auch schwierig zu
       buchstabieren, wie ein geplagter Zeitgenosse am eigenen
       Leib erfahren musste ("Hämoriden", "Hämoroiden",
       "Hämhoriden", "Hemoriden"). Ein anderer armer Tropf kam
       mit "Gibsverbänden" nicht an die ersehnten Informationen.
       Daraufhin probierte er es mit "Gibsbinden", "Gibsarm",
       "Gibsbeinen", "Gibsschinen", "Gibszimmer". "Gibs alles
       nicht!", möchte man dazwischenrufen. Unser Freund vor
       dem Bildschirm tippte unverzagt weiter: "eingegibst",
       "Unfällegibs" (da hat er Recht) und - der Mann scheint
       lernfähig - "Chirugie Brüche". Leider war's auch damit nichts.   
       Da sage noch einer, Rechtschreibprogramme machten Unterricht in
       Orthografie überflüssig.

       Oder liegt es vielleicht nur an der Fahrigkeit der Suchenden?
       Einer forschte erst nach "Aufmerksamkeitdefizitsydrom",
       dann nach "Aufmerksamkeitdefitsyndrom". Da weiß jemand
       genau, woran er leidet.


-- 
markus@schoko.org           http://www.schoko.org/~markus/

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